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Brief des Vorstandsvorsitzenden

Martin Blessing Vorstandsvorsitzender im März 2012


Anrede

das Geschäftsjahr 2011 war für die Commerzbank ein ereignisreiches und herausforderndes – aber auch zweigeteiltes – Jahr. Der Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr war sehr erfolgreich, sowohl was das Geschäftsergebnis als auch die Erreichung strategischer Meilensteine angeht. Im zweiten Halbjahr kamen wir, wie alle anderen Banken auch, jedoch in ungleich schwierigeres Fahrwasser.

Lassen Sie mich auf die einzelnen Punkte im Detail eingehen: Im ersten Halbjahr konnten wir die Integration der Dresdner Bank, sicherlich eines der größten Projekte in der deutschen Bankengeschichte, erfolgreich abschließen. Dabei war als letzter großer Meilenstein die Migration der Kunden- und Produktdaten der ehemaligen Dresdner Bank auf die Commerzbank-Plattform vorzunehmen, was am Osterwochenende 2011 mit großem Einsatz gelungen ist. Allen beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchte ich dafür auch im Namen meiner Vorstandskollegen meinen besonderen Dank für Ihre Leistungsbereitschaft und Ihren persönlichen Einsatz aussprechen! Mein Dank gilt aber auch ganz besonders unseren rund 16 Millionen Kunden im In- und Ausland. Viele von ihnen haben uns angespornt, die Integration schneller als geplant abzuschließen.

Parallel zum Ende des bankweiten Integrationsprojektes war für die Bank im Berichtsjahr die Optimierung unserer Kapitalstruktur von zentraler Bedeutung. Dazu haben wir im ersten und vierten Quartal den Rückkauf von Hybridinstrumenten erfolgreich durchgeführt. Den wesentlichen Schritt stellte jedoch im zweiten Quartal unsere zweistufige Kapitalerhöhung um 11 Mrd. Euro dar und die damit verbundene Rückzahlung eines wesentlichen Teils der erhaltenen Stillen Einlage des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin). Von 16,2 Mrd. Euro wurden 14,3 Mrd. Euro zurückgezahlt.

An dieser Stelle möchte ich mich bei unseren Aktionärinnen und Aktionären nochmals sehr herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen im Rahmen unserer Kapitalerhöhung bedanken, obgleich ich weiß, dass die darauffolgende Kursentwicklung für Sie noch nicht befriedigend verlief. Was war eine der Ursachen: Ab dem Sommer verschärfte sich die europäische Staatsschuldenkrise deutlich. Im Fall von Griechenland musste der private Finanzsektor einen hohen Beitrag leisten – so auch die Commerzbank. Insgesamt haben wir im Geschäftsjahr 2011 auf griechische Anleihen Wertkorrekturen von rund 2,2 Mrd. Euro vorgenommen. Damit haben wir unsere griechischen Anleihen auf rund 26% des Nominalwerts abgeschrieben. Zudem haben wir den weiteren Abbau unseres Staatsanleiheportfolios unter Inkaufnahme von Veräußerungsverlusten forciert. Diese Belastungen spiegelten sich auch in den Erträgen des Konzerns wider. Betreffend die Risikovorsorge und die Verwaltungsaufwendungen konnten wir die geplanten Ziele übertreffen beziehungsweise erreichen. Die Risikovorsorge war um knapp 45% auf 1,4 Mrd. Euro rückläufig und die Verwaltungsaufwendungen sanken im Berichtsjahr um 9%, worin sich auch die bereits erzielten Kostensynergien aus der Integration bemerkbar machten. Insgesamt betrug unser Operatives Ergebnis 507 Mio. Euro. Während sich die Belastungen in den Nicht-Kernbereichen auf rund 4,0 Mrd. Euro summierten, haben wir in der Kernbank ein sehr erfreuliches Ergebnis von 4,5 Mrd. Euro erzielt. Dies unterstreicht, dass wir die in der „Roadmap“ definierten Ergebnisziele grundsätzlich erreichen können.

Aufgrund des Verlustausweises im HGB-Ergebnis der Commerzbank Aktiengesellschaft können wir für das Berichtsjahr 2011 die Stille Einlage des SoFFin und andere Kapitalinstrumente nicht bedienen und dürfen auch keine Dividende zahlen.

Durch unseren auch im Berichtsjahr uneingeschränkten Zugang zu den Geld- und Kapitalmärkten, waren wir in der komfortablen Situation, dass wir bereits im zweiten Halbjahr 2011 einen Teil des Fundingbedarfs für das Jahr 2012 decken konnten. Unsere Liquiditätsausstattung ist stabil und die Core-Tier-I-Quote erreichte per Jahresende des Berichtsjahres 9,9%.

Gemäß den erstmals anzuwendenden Vorgaben des Europäischen Rats müssen 71 europäische Banken zum Stichtag 30. Juni 2012 eine Core-Tier-I-Ratio von 9% einhalten, die deutlich über den bisher geltenden aufsichtsrechtlichen Vorgaben liegt. Dies beinhaltet die Simulation eines Teilausfalls europäischer Staatsanleihen seitens der European Banking Authority (EBA): Der von der EBA für die Commerzbank ermittelte Kapitalbedarf von 5,3 Mrd. Euro ergibt sich dabei fast ausschließlich aus den Ausfallannahmen der EBA zu europäischen Staatsanleihen, bedingt durch das Staatsfinanzierungsgeschäft der Eurohypo AG. Das Kerngeschäft der Commerzbank ist hingegen de facto nicht betroffen.

Zur Deckung des von der EBA ermittelten Kapitalbedarfs hatten wir bereits im November 2011 erste Maßnahmen eingeleitet, die wir dann im Januar 2012 weiter konkretisiert haben. Durch die Mitte Februar 2012 verkündeten Maßnahmen, einige bestehende Kapitalinstrumente im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung unter Ausschluss der Bezugsrechte gegen Core-Tier-I-Kapital zu tauschen, konnte das harte Kernkapital der Bank weiter gestärkt werden, was auch dazu führt, die verbleibenden EBA-Kapitalanforderungen zu einem wesentlichen Teil zu erfüllen.

Auf Basis der gegenwärtigen Geschäftsplanung und vorbehaltlich keiner weiteren Verschlechterung der volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere auch keiner weiteren Verschärfung der Staatsschuldenkrise, erwartet die Commerzbank bis zum 30. Juni 2012 mit den bereits initiierten Maßnahmen weitere positive Effekte zur Deckung des EBA-Kapitalbedarfs in Höhe von bis zu 2,9 Mrd. Euro zu erzielen. Darin enthalten sind zusätzliche Sachkosteneinsparungen im ersten Halbjahr 2012 und eine Vergütung der variablen Leistung eines Großteils unserer außertariflich beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Berichtsjahr 2011 in Aktien der Commerzbank Aktiengesellschaft. Über die bereits abgeschlossenen und bis Juni 2012 geplanten Maßnahmen hinaus stehen uns zudem weitere Optionen zur Verfügung, um unser hartes Kernkapital im Bedarfsfall noch zusätzlich zu stärken.

Nach Umsetzung der Maßnahmen erwarten wir eine Core-Tier-I-Quote von mehr als 11%. Damit wären nicht nur alle bestehenden, sondern auch die unter Basel III in Kraft tretenden regulatorischen Mindestkapitalquoten erfüllt.

Sie sehen, sehr verehrte Aktionärinnen und Aktionäre, es ist nicht notwendig, noch haben wir es vor, zusätzliche öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen. Dabei betonen wir nachdrücklich, dass der Abbau von nicht strategischen Risikoaktiva nicht zu Lasten des deutschen Mittelstands gehen wird. Wir sind uns unserer Verantwortung für die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft bewusst und werden unseren Kunden und insbesondere dem Mittelstand als verlässlicher Partner auch künftig zur Seite stehen.

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, für das Geschäftsjahr 2012 bleiben die Auswirkungen der europäischen Staatsschuldenkrise nach wie vor schwierig einschätzbar. Dennoch gehen wir davon aus, dass wir durch unsere Aufstellung in der Kernbank ein solides Ergebnis erreichen werden.

Soweit zu den entscheidenden Eckpunkten des Geschäftsjahres 2011 und den Erwartungen des laufenden Jahres 2012.

Zu unserer Hauptversammlung im Mai 2012 lade ich Sie auch in diesem Jahr herzlich ein und freue mich auf Ihr Kommen.

Unterschrift Martin Blessing - Vorstandsvorsitzender

Martin Blessing
Vorstandsvorsitzender

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